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Erfahrungsbericht – Aufenthalt im Rahmen des „WARAY EMPOWERMENT NETWORK“

Am 20. März 2014 begannen wir, Mathis Kurz und Jane Müller zwei ehemalige Freiwillige, unsere Reise auf die Philippinen. Unser Ziel: Region 8, Eastern Samar. Hier waren wir während unseres Auslandsaufenthaltes 2009/2010 in verschiedenen Projekten tätig. Eastern Samar ist die Region, die im November letzten Jahres am meisten von Taifun Yolanda/Hayan heimgesucht wurde. Unsere Aufgabe sahen wir vorwiegend darin, unsere Stipendiaten und Mentoren (diese werden durch das „Waray Empowerment Network“ und „Freies Wort hilft e. V.“ unterstützt) in Quinapondan und Hernani sowie weitere Freunde und Bekannte zu besuchen und uns nach deren Lebensumständen, welche sich nach dem Taifun drastisch verändert haben, zu erkundigen. Nach zwei Tagen Reise landeten wir letztlich am Flughafen von Tacloban. Wir waren auf Alles und irgendwie auch auf Nichts gefasst. Auch wir kannten nur die Bilder aus den Medien, welche die totale Zerstörung, Verwüstung und verzweifelte Menschen zeigten. Doch eines war uns klar: Vieles von dem was wir in Erinnerung hatten würde nicht mehr so sein wie es einmal war. Mit diesen Gedanken verließen wir das Flugzeug und liefen Richtung Terminal. Die Bezeichnung Terminal ist jedoch kaum noch zutreffend. Es handelt sich vielmehr um einen Rohbau mit provisorisch errichtetem Dach, welches vor Regen und Sonne schützen soll. Auch vier Monate nach dem Taifun wird hier der Großteil noch manuell abgewickelt und gesteuert, was bedeutet, dass weder Gepäckband noch Röntgen-Durchleuchtungsanlagen in Betrieb sind. Glücklicherweise, ist die Start- und Landebahn nicht zerstört, um wenigstens den Flugverkehr bzw. Kontakt zur Außenwelt aufrecht zu erhalten.

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Aktueller Stand und Ausblick

Eingenommene Spenden durch das Freie Wort Hilft e.V.: ca. 19.600 Euro (Stand: März 2014).

 

Finanzierte Ausgaben und geplante Aktivitäten:

No. Verwendungszweck Dauer Status Bisheriger Mittelabfluss Geplanter Mittelabfluss
1 Schulprojekt in Hernani Dezember-Februar 2013 abgeschlossen 1200 Euro 0 Euro
2 Motorsäge für Quinapondan Februar abgeschlossen 1060 Euro 0 Euro
3 Stipendiaten (4) in Quinapondan Februar bis einschl. Juli Durchführung 360 Euro 3720 Euro
4 Stipendiaten (2) in Hernani Februar bis einschl. Juli Durchführung 180 Euro 2160 Euro
5 Stipendiaten – zusätzliche Projekte - Geplant 0 Euro 2920 Euro

 

Schulprojekt in Hernani

Verteilung von Schulmaterial an über tausend Kinder in Hernani, Eastern Samar, einem von Yolanda/Haiyan besonders stark betroffenen Dorf nördlich von Quinapondan. Durchgeführt von Freunden der ehemaligen Freiwilligen in dem Ort, Patrick und Ingo.

 

Motorsäge für Quinapondan

Um den Wiederaufbau der zerstörten Wohnhäuser in dem Ort Quinapondan zu unterstützen wurde die Anschaffung einer Stihl Kettensäge finanziert, die in der Gemeinde den betroffenen Familien zur Verfügung gestellt wird.

Ca . 1000 Euro + Transport

 

Stipendiaten in Quinapondan

Seit Februar werden 4 Stipendiaten in Quinapondan durch die Spenden des Freien Worts unterstützt. Unter der Anleitung von dem Mentor Lorenzo haben sie es sich zum Ziel gemacht, die von Yolanda/Haiyan betroffenen Communities bei der Wiederaufnahme ihrer landwirtschaftlichen Aktivitäten zu unterstützen. Landwirtschaft ist die Lebensgrundlage eines großen Teils der lokalen Bevölkerung und wurde durch die Katastrophe und (z.B. durch den Verlust der Kokuspalmen) besonders beeinträchtigt.

90 Euro pro Monat à Stipendiat über 6 Monate (540 Euro) + Zusätzliche, einmalige und projektgebundene Finanzierung (540 Euro) total pro Stipendiat: 1080 Euro.

 

Stipendiaten – zusätzliche Projekte

Die ehemaligen Freiwilligen Matthis und Jane fliegen am 20. März auf die Philippinen, auch um die Stipendiaten in Quinapondan und Hernani, sowie deren Mentoren zu treffen. Gemeinsam mit ihnen werden sie überlegen, welche akuten Aktivitäten durch die Stipendiaten den noch immer stark betroffenen Communities von Nutzen sein könnten. Die Stipendiaten haben bereits Ideen an die Mentoren herangetragen, deren Finanzierung entsprechend diskututiert werden kann.

 

Unterstützung Studierender an der Eastern Samar State University (ESSU)

Der Großteil der Spendengelder soll für die Finanzierung der Studiengebühren für junge Leute aus den nun mittellosen Familien verwendet werden. Dazu nimmt Lorenzo nun Kontakt zur „Eastern Samar State University“ (ESSU) auf, dort ist im März Einschreibeschluss. Pro Semester betragen die Gebühren 50 Euro. D.h. mit 8000 Euro könnten die Studiengebühren von 80 Studenten für ein Jahr übernommen werden.

Die durch das Freie Wort Hilft finanzierten Studiengebühren sollen direkt an die Universität überwiesen werden.

4 Monate nach Haiyan – Eine Zwischenbilanz

Rückblick auf unsere bisherige Unterstützung der Regionen Leyte und Samar

Anfang November, mit seinem „Höhepunkt“ am 07. November 2013, zerstörte der Taifun Haiyan große Landstriche auf den Philippinen, vor allem auf den Inseln Leyte und Samar. Diese beiden Inseln waren für 22 deutsche weltwärts-Freiwillige 2009/2010 ein Jahr lang Heimat geworden. Die Katastrophe, die rund 10.000 Menschenleben kostete und geschätzt mehr als 4 Millionen Menschen obdachlos werden ließ, war für uns Anlass, uns zusammenzuschließen mit dem Ziel, beim Wiederaufbau zu helfen.

Mitte November, eine Woche nach dem Taifun, war das Chaos riesig, Opferzahlen konnten nur geschätzt werden und ganze Regionen waren für Nothilfe noch unerreichbar. Privat konnten wir Freund_innen, die sich nach Cebu City in Sicherheit gebracht hatten, Geld schicken, damit sie Essenspakete erstellen und später in betroffenen Regionen, vor allem zwischen Borongan und Guiuan auf der Insel Samar, verteilen konnten.

Uns war allerdings von Anfang an klar, dass für den Großteil der Not- und Soforthilfe, der bei Katastophen solchen Ausmaßes schnell und mit immensen Kapazitäten ausgerüstet durchgeführt werden muss, nicht wir, sondern nur staatliche und internationale Akteure effektiv helfen könnten, weshalb wir zu Spenden an Unicef aufriefen, die sowieso schon vor dem Taifun mit lokalen Kräften auf Leyte und Samar tätig waren.

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Bericht aus Salcedo

Mit Chris Bracks ist seit Anfang Dezember der erste deutsche Freiwillige aus unserem Netzwerk auf den Philippinen. Er lebt momentan für zwei Jahre in Brunei und kam von dort mittels einer engagierten Gruppe vor Ort schnell auf die Philippinen. Unter anderem war er auch in Salcedo (Eastern Samar), seiner Heimatstadt von 2009/2010. Er berichtet wie folgt von dort:

“ich bin gerade in salcedo und genieße es sehr. salcedo schaut ganz anders aus und fast alles ist zerstört. aber die leute nehmen es gelassen. wer nicht so viel zu verlieren hat verliert nicht viel. es freut mich zu sehen dass die internationale gemeinde so sehr zusammenhilft und alles in die wege leitet um den menschen zu helfen.

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Guiuan – Ein weiterer Bericht

Eine Philippina aus Guiuan, Eastern Samar beschreibt hier ihre Erlebnisse. Sie selbst war in Manila zu dem Zeitpunkt, als Taifun Hayian die Region traf, aber ihre zwei Kinder waren in Guiuan.

Die Übersetzung:

“Ich kann nicht vergessen, wie viel Angst ich hatte, als ich das erste Mal das Gebiet um Guiuan, meiner Heimatstadt sah, welches diesen Monat von Super Taifun Hayian getroffen wurde. Alles war zerstört und man konnte die Stadt nur anhand der Kirche erkennen, welche auch eingestürzt ist. Ich hielt den Atem an, während ich darauf wartete, dass die Fernsehkamera den Fokus scharf stellte und die Saint Marys Akademie zeigte, eine der größten Schulen direkt neben der Kirche. Auch die Schule war vollkommen zerstört. Ich hatte Todesangst als ich an meine Familie dachte, an meine Kinder. Allein das Gebäude in den Nachrichten zu sehen; ich wusste das es gut möglich war, dass niemand der sich darin aufhielt den Einsturz überlebt hatte.

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“Zurück nach Hause” – Ein weiterer Bericht

Ein weiterer Bericht eines Freundes, der während des Typhoons nicht in seiner Heimatstadt war und jetzt die Zerstörung mit eigenen Augen sieht.

Im folgenden die Übersetzung:

“Als ich am Daniel Z. Romualdez Flughafen in Tacloban City ankomme, kann ich den Schaden sehen, den der letzte Taifun Yolanda (Haiyan) verursacht hat. Mehr als 26 000 Passagiere stehen an um einen Flug nach Cebu oder Manila zu erwischen. Da keine öffentlichen Verkehrsmittel verfügbar waren, entschied ich mich vom Flughafen aus zu der Coca-Cola Abfüllstation zu laufen. Die Luftqualität war sehr schlecht, wahrscheinlich wegen den vielen Leichen, die bisher noch nicht geborgen waren. Von da aus lief ich Richtung Campetic, Palo. Es ist das erste Mal, dass ich verbrannte Leichen auf der Straße sehe, die hoffnungslose Umgebung machte mich mutlos. Dies lag jenseits meines Vorstellungsvermögens. Als ich in Campetic, Palo ankomme, warten bereits viele Leute, die von hier weg wollen. Die Polizei schwärmt aus und versucht, die Sicherheit aufrechtzuerhalten. Sie schafften es sogar für Reisende wie mich Transportmöglichkeiten mit Hilfe privater Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Auf dem Weg zu meiner Heimatstadt Dulag sah ich zerstörte Häuser, entwurzelte Bäume und weit verstreuten Unrat auf den Staßen liegen. Dann kam ich in meinem Dorf (Barangay 1 Rizal) an und war sehr erleichtert meine Familie wohlauf vorzufinden. Obwohl unser Haus beschädigt wurde hatten wir Glück, dass jeder überlebt hat. Ich sehe folgende Probleme: Es fehlt an Nahrung, Medizin und sauberem Trinkwasser. Nahrungsmittel werden an manchen Orten gehortet, vor allem in Tacloban und erreichen somit keine ländlichen Gebiete wie Dulag, der Gegend, aus der ich komme. Medikamente fehlen vor allem, weil Apotheken und Drogerien geplündert und zerstört wurden. Da zudem alle Häuser zerstört wurden, brauchen die Leute vorübergehende Unterkünfte, z.B. Zelte. Ich appelliere an die Güte der deutschen Freiwilligen uns in irgend einer Weise zu helfen. Habt vielen Dank und Gott segne euch!”

Und hier das Original:

“Approaching near the Daniel Z. Romualdez Airport in Tacloban City, I can see the damage caused by the recent typhoon Yolanda (Haiyan). A lot of passengers waiting on the line to be airlift either in Cebu or Manila (more than 26,000). No public transportation was available so I decided to walk from the airport going to the Coca-Cola Bottlers plant. Air quality is very bad. Probably from the dead bodies that were not recovered yet. From there, I walked going to the Campetic, Palo. It is my first time to see burned bodies on the street. Establishments were looted. I can’t see any houses without damage. Less people on the street. The melancholic environment was so depressing. I can’t imagine that it will happen. Reaching Campetic, Palo, a lot of passengers are waiting. Police officers are scattered to maintain safety and security. They even managed to arranged transportation to those passengers like me by hitching on private vehicles.

On my way to my hometown Dulag, I saw houses ravaged, trees were uprooted, and debris scattered on the ground. Upon arrival in my village (Brgy. Rizal), I was glad that all my family members were safe. Though our house was danaged, we’re still lucky that my family survived.

Here’s the problem: Lack of food, medicines and safe drinking water. Food are being hoarded in some places. Mostly in Tacloban City. They don’t arrive in rural areas like mine in Dulag. Medicines are lacking also because pharmacies and drugstores were looted and destroyed. safe drinking water is also the main concern. Water pipes were damaged. Since all houses were damaged, the people needs temporary shelter like tent.

I plead from your humble heart (German volunteers) to help us in any way. Thank you so much and God will bless you!”

Fernando L.

Überlebt

Im Folgenden berichtet die 24-jährige Niccole, die sich zur Zeit des Typhoons in Tacloban aufhielt, über die Geschehnisse, nachdem Haiyan auf Tacloban traf. Niccole ist eine Bekannte von uns, die momentan von uns u.a. finanzielle Unterstützung erhält, um weiteren Betroffenen mit Nahrungsmittelpaketen zu helfen.

Tacloban. Der starke Wind und der Regen begannen gegen zehn Uhr am Abend des 7. Novembers. Zunächst beobachteten wir das Wetter, ehe wir uns schließlich entschieden, unseren aktuellen Aufenthaltsort zu verlassen, in der Hoffnung woanders sicherer zu sein.
Der Wind wurde heftiger, Bäume begannen unter seiner Last umzustürzen und auf Häuser zu fallen. Wir versuchten ruhig zu bleiben, aber die Angst in unseren Gesichtern war dennoch deutlich zu erkennen.
Plötzlich brach Wasser vom Meer in die Straßen, innerhalb von nur weniger Sekunden stand es zwei Meter hoch und riss selbst Autos mit sich.
Das Haus, in dem wir uns eben noch aufgehalten hatten, wurde unmittelbar geflutet und wir waren heilfroh, es noch rechtzeitig verlassen zu haben. Die Wassermassen trieben uns durch die Straßen. Bäume, Kühlschränke, Holztrümmer und selbst Autos wurden nun vom starken Wind mitgerissen.

Besonders große Angst hatte ich um einen Jungen, der mit uns unterwegs war, doch er blieb durchgängig tapfer, ja er weinte nicht einmal.

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